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Wassersektor in den VAE
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June 5, 2018
Written by:
Marcel Trost
Wassersektor in den VAE: Neue Investitionen bieten Geschäftsmöglichkeiten für ausländische Unternehmen

Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) verzeichnen einen der höchsten Wasserverbräuche der Welt. Gleichzeitig ist das Land auch eines der trockensten, ca. 80 Prozent des Landes sind Wüste. Der Verbrauch von 550 Litern pro Tag und pro Kopf stellen das Land zunehmend vor Herausforderungen. Interessant ist hierbei auch die Tatsache, dass die Emirates (ca. 10-15 Prozent der Gesamtbevölkerung) 44 Prozent des gesamten Trinkwassers benutzen. Der Großteil des Trinkwassers entstammt aus Entsalzungsanlagen, nur 13 Prozent stammen aus Wiederaufbereitungsanlagen. Der Wassersektor per se ist vollständig verstaatlicht. Alle involvierten Geschäfte und Vorhaben müssen zunächst einem vom Ministerium für Umwelt und Wasser veranstalteten Ausschreibungs- bzw. Bieterverfahren durchlaufen, in dem der Preis oftmals ausschlaggebender Faktor für den Zuschlag ist. Allerdings ist der Staat sehr an dem Involvieren des privaten Sektors in der Wasserwirtschaft interessiert, so dass bürokratische Hindernisse größtenteils abgebaut wurden. In diesem Artikel sollen die durch den Wassermangel bestehenden Probleme angesprochen werden sowie die Lösungsansätze, welche die Regierung in Zusammenarbeit mit privatwirtschaftlichen Unternehmen angeht. Eine Rolle spielt hierbei auch die aktuelle Situation von Wasserförderungsmethoden wie Grundwasser, Entsalzung und Wasseraufbereitung sowie die UAE Water Security Strategy 2036. Abschließend sollen die Geschäftsmöglichkeiten im Wassersektor dargelegt werden.

Der Wassersektor in den VAE - Allgemeine Informationen

Wichtig ist es, im Wassersektor unterschiedliche Bereiche auszumachen. Der Wasserbedarf des Landes ist nicht gleich der Trinkwasserbedarf. So werden in diesen auch die in der Landwirtschaft oder in der Industrie verbrauchte Menge an Wasser mit einberechnet. Der Salzgehalt für Trinkwasser liegt bei einem deutlich geringeren Wert als der für das in der Landwirtschaft genutzte Wasser. Ein Großteil des Gesamtverbrauchs wird den Kommunen zugeschrieben, also Haushalte, Gewerbe und Industrie. Diese verbrauchen 43 Prozent des Wassers, gefolgt von der Landwirtschaft mit 32 Prozent. Die Bezugsquellen, aus denen diese Wasserprodukte stammen, unterscheiden sich. Grundwasser deckt zu 44 Prozent den Wasserbedarf der VAE, entsalztes Meerwasser zu 42 Prozent und wiederaufbereitetes Abwasser 14 Prozent. Letzterem wird in der Zukunft eine noch relevantere Rolle zugesprochen. Trinkwasser wird fast ausschließlich durch Meerwasserentsalzungsanlagen gewonnen.

Hoher Verbrauch, heißes Klima: Die Probleme/Herausforderungen des Wassersektors

Die VAE konfrontieren eine Vielzahl von Problem bei der Wasserversorgung des Landes. Zunächst besteht ein geographisch bedingter natürlicher Mangel an Grundwasserreserven eine prägnante Rolle. Dazu kommt, dass die bestehenden Reserven oftmals einen hohen Salzgehalt von bis zu 150.000mg/Liter aufweisen. Nur in den Höhenlagen im Südwesten und Nordosten des Landes liegen die Salzgehalte im Grundwasser bei weniger als 1000 mg/l, was trotzdem nicht bedeutet, dass es für den Menschen trinkbar ist. Somit gestaltet sich die Trinkwasserproduktion nicht nur aufwendig, sondern auch teuer. Doch nicht nur die Gewinnung von Frischwasser gestaltet sich aufwendig, auch das Abwassersystem erscheint innovationsbedürftig. In einigen dezentralen Regionen des Landes ist dieses nur schlecht ausgebaut. Daraus resultiert ein hoher Druck auf die Behörden und Forderungen zum Ausbau der Wasserinfrastruktur vermehren sich von Bewohnern, Unternehmen und Investoren. Dieser bedarf es an neuen Investitionen. Bis vor kurzem noch schien sich diese Entwicklung noch nicht in dem benötigten Maße abzuzeichnen. Bedingt durch den niedrigen Ölpreis in den vergangenen Jahren wurden sogar Budgetkürzungen in dem Sektor vorgenommen, welche bereits angelaufene Projekte betrafen. Der Großteil der staatlichen Investitionen wurde in Wassertechnik, energieeffiziente Wasserentsalzung und Bildung investiert. Tatsächlich hat das Schaffen eines ökologischen Bewusstseins bei den Einwohnern eine wichtige Rolle in der Strategie des Umweltministeriums eingenommen.

Das starke und konstante Bevölkerungswachstum zählt zu einem der höchsten der Welt. Der steigende Konsum von Fleisch (Ein Kilo Rindfleisch benötigt in der Produktion ca. 15000 Liter Wasser) und die Instandhaltung von riesigen Grünflächen mitten in der geographischen Wüste sowie die aufwendigen Verfahren zur Gewinnung von Wasser, sollten darauf schließen lassen, dass der Wasserpreis hoch sein sollte. Doch das ist nicht der Fall. Um die hohen Kosten der bisher getätigten Maßnahmen zu decken, stellte die Regierung bereits 2015 die Subventionen für Wasser ein und erhöht zwar seitdem kontinuierlich den Preis (aktuell umgerechnet ca. 1,77€/1000 Liter im Privathaushalt für Ausländer), doch liegt immer noch deutlich unter dem internationalen Vergleich (Beispiel Hamburg: 4€/1000 Liter inklusive Schmutzwasserentsorgung). In Katar war Wasser bis vor kurzem noch gänzlich kostenlos (Aktuell bei umgerechnet 1,16€/1000 Liter).

Doch das Land, in dem die natürlichen erneuerbaren Wasserressourcen fast ausschließlich aus Grundwasser bestehen und in dem es keine Fließgewässer gibt, versucht dem jährlich steigenden Wasserbedarf mit unterschiedlichen Methoden nachzugehen.

 

Wassererzeugungsanlagen: Warum das Meer der wichtigste Partner ist

In den VAE befinden sich insgesamt 42 Entsalzungsanlagen, welche rund 98 Prozent des Trinkwasserbedarfs abdecken. Die größte weltweit steht in Dubai in Jebel Ali, zwischen Dubai Marina und der Jebel Ali Freezone. Mehr als zwei Milliarden Liter Meerwasser werden hier täglich in Trinkwasser gewandelt.

Die Anlagen haben allerdings einen Nachteil. Im Gewinnungsprozess wird eine extreme Hitze benötigt, um das Salz verdampfen zu lassen. Die Hitze wird meist durch Dampfturbinen in Kraftwerken erzeugt, welche wiederum mit fossilen Brennstoffen betrieben werden. „Mehrstufige Entspannungsverdampfung“ oder auch Multi-Stage Flash Distillation (MSF) wird dieser Prozess genannt, ca. 83 Prozent des Wassers wird durch diesen erzeugt. Diese Tatsache gestaltet den gesamten Vorgang nicht nur kostenintensiver, sondern auch umweltschädlicher. Doch an Alternativen wird gearbeitet. Der Prozess der Umkehrosmose, bei dem das Meerwasser durch sehr feine Filter gepresst wird, wird bereits eingesetzt, macht mit 4 Prozent allerdings nur einen kleinen Teil der Wassergewinnung aus. Auch in Jebel Ali werden in einem Teil der Anlage täglich 100 Millionen Liter Wasser durch die Umkehrosmose gewonnen. Hybride Anlagen, welche in annäherndem Maße Umkehrosmose und MSF oder Mehreffekt-Verdampfung/ Multiple Effect Distillation (MED) verwenden, kommen für über 11 Prozent des Wassers auf. Im Emirat Fujairah wurde kürzlich die größte hybride Meerwasserentsalzungsanlage der Welt erbaut. Hier werden täglich knapp 595 Mio. Liter Wasser entsalzen, fast 140 Mio. Liter durch Umkehrosmose.

Eine weitere Innovation könnten auch solarbetriebene Entsalzungsanlagen darstellen, welche ebenfalls durch Umkehrosmose Trinkwasser gewinnen können. Schon 2015 wurden Genehmigungen an die Unternehmen Abengoa und Degrémont (beide aus Spanien), Veolia (Frankreich) und Trevi Systems (USA) vergeben.

  

UAE WATER SECURITY STRATEGY 2036

Dem dringenden Handlungsbedarf bezüglich der Problematiken im Wassersektor kamen die Regierenden der VAE im September 2017 in Form der UAE Water Security Strategy 2036 nach. Hierbei sollen gewisse Nachhaltigkeitsziele gepaart mit dem Ausbau von bestehenden Maßnahmen und der Wasser- und Elektrizitätsinfrastruktur realisiert werden, um so der Bevölkerung die Gewährleistung der Nachhaltigkeit der Wasserförderungsprozesse und des ständigen Zugangs zu Wasser bei normalen und extremen Notfällen zu garantieren. Rahmenbedingungen bilden die Legislatur der VAE und WHO Richtlinien. Insgesamt stehen den Projekten finanzielle Ressourcen in Höhe von umgerechnet 20,1 Mrd. US-Dollar zur Verfügung. Die Nachhaltigkeitsziele spiegeln sich beispielsweise in der geplanten Senkung des Wasserverbrauchs um insgesamt 21 Prozent. Der Wasserproduktionsindex soll nach Vervollständigung der Ziele bei 110 US-Dollar pro Kubikmeter liegen. Am wohl ambitionierten ist die Tatsache, dass der Anteil von wiederaufbereitetem Wasser auf 95 Prozent gesteigert werden soll, außerdem soll der Kohlenstoffdioxidausstoß der Entsalzungsanlagen um 100 Tonnen gesenkt werden. Realisiert werden die Vorhaben durch drei strategic action programs. Zum einen das Water Demand Management, welches ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Lösungen für den urbanen Wasserverbrauch betreuen soll. Das soll unter anderem durch die Intensivierung der Bemühungen gegen Wasserverschwendung und die Steigerung der Effizienz von Bewässerungsanlagen in der Landwirtschaft erreicht werden. Des Weiteren würde das Water Supply Management Programm sich auf die Optimierung bestehender Wasserförderungsmethoden konzentrieren. Hierbei soll der Fokus nicht nur auf Methoden der Meerwasserentsalzung, sondern auch auf die Verbesserung von Klär- und Wasseraufbereitungsanlagen gelegt werden. Außerdem soll die Anzahl der privat genutzten Brunnen dezimiert werden, da sie eine Auswirkung auf die ohnehin geringen Bestände von Grundwasser haben. Als letztes beschafft sich das Emergency Water Production and Distribution Program mit der Erstellung von Notfallplänen für den Dürrefall oder dem Ausfall der Entsalzungsanlagen. Die Einführung einer nationalen Wasserreserve stellt hierbei das größte Projekt dar, mit dem das Land im extremen Notfall bis zu 45 Tage mit Wasser versorgt werden kann.

Geschäftsmöglichkeiten

Durch die neuen Investitionen und Innovationsprogramme entstehen Geschäftsmöglichkeiten im Bereich der Wasserwirtschaft bzw. allgemein dem Wassersektor. Das trifft vor Allem für die Bereiche Erzeugung, Verteilung, Abwasser und Sparmaßnahmen zu. Die benötigte Technik zur Realisierung der Regierungsvorhaben, ebenso wie das erforderte Know-How, werden größtenteils im Ausland eingekauft. Die VAE zeigen sich, wie auch oft in anderen Bereichen, offen gegenüber technologischen Innovationen aus dem Ausland. Bedingt wird dies durch das hohe Bildungsniveau und den finanziellen Wohlstand. Hier bestehen vor allem Chancen für deutsche Unternehmen, welche spezielles Know-How oder Nischenprodukte und -dienstleistungen anbieten. Aktuelle Ausschreibungen richten sich außerdem an Technologielieferanten und Planungspartner. Die Environment Agency Abu Dhabi (EAD) äußerte Interesse an Partnern, welche im Bereich Meerwasserentsalzung mittels Membrantechnologie anbieten oder sich auf den Anbau von Hydrokulturen spezialisiert haben. Außerdem werden Technologien gesucht, welche solar- und auch nuklearbetriebene Entsalzungsanlagen ermöglichen, ebenso Innovationen zur Speicherung von Trinkwasserreserven und der Sammlung von Salzlaufe aus Entsalzungseinheiten. Auch in der Abwasserinfrastruktur lässt sich eine hohe Nachfrage an Gesuchen verzeichnen. Hierbei geht es vor Allem um innovative Lösungen zum Recycling von Abwasser, der Effizienzsteigerung in der Abwasserreinigung (grüne Chemie) und dem Trennen von Schwarz- und Grauwasser in Abwassernetzwerken. Die Zulieferung von Wassermessgeräten, Autosamplern, Durchflussmessern und wassereffizienten Armaturen ist ebenfalls erwünscht. Generell wird das Thema Energieeffizienz im Wassersektor in Zukunft eine große Rolle spielen.

Fazit

Das rapide Bevölkerungswachstum, steigende Energiepreise, geographisch bedingte ökologische Herausforderungen, der sinkende Grundwasserspiegel und der steigende Energiebedarf der VAE sorgen dafür, dass Wasserwirtschaft nicht mehr nur als wirtschaftlicher Sektor angesehen wird, sondern die Regierung vor existentielle Herausforderungen stellt. Die Bemühungen der VAE, um den akuten Problemen im Wassersektor nachzugehen, lassen sich zweifelsohne beobachten. Die Bereitschaft auch ausländische Unternehmen an dem Entwicklungsprozess teilhaben zu lassen, unterstreicht wiederholt die Offenheit und die Innovationsbereitschaft von außen, was in den GCC oder allgemein in der Region zwar kein Alleinstellungsmerkmal der Emiraten ist, aber mit großer Freude und Tatendrang ausländischer Unternehmen aufgenommen wird. Die UAE WATER SECURITY STRATEGY 2036 lässt sich ebenfalls klar in die Nachhaltigkeitsziele der Environment Vision 2030 Abu Dhabis einordnen.

Deutsche Unternehmen könnten somit von den neuen Geschäftsmöglichkeiten profitieren. Sie genießen, gerade im technologischen und technischen Bereich, hohes Ansehen, auch wenn sie im Vergleich zu ostasiatischen Konkurrenten oftmals kostenaufwendiger sind.

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