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Islamic Banking
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June 20, 2018
Written by:
Marcel Trost

Eine Bank, die keine Zinsen erhebt, keine Investitionen in Unternehmen, deren Geschäfte in den Bereichen Alkohol, Unterhaltungs- und Waffenindustrie liegen, tätigt und keine Spekulationen durchführt. Was zunächst nach einem schwer durchzusetzenden Konzept klingt, hat sich mittlerweile auf Finanzmärkten weltweit etabliert. Islamische Banken gewinnen mehr und mehr Zulauf und Bedeutung - auch in Deutschland. Der Erfolg dieses Teils des Bankwesens hat sich bereits in Großbritannien, der MENA-Region und in Südostasien erwiesen. Über 1,6 Milliarden Muslime weltweit stellen einen attraktiven Markt dar. Der Bedarf an den bedürfnisorientierten Scharia-konformen Anlage- und Sparprodukten besteht selbstverständlich auch hier und ist lange noch nicht gedeckt. Schließlich stammen elf der 20 größten Staatsfonds aus islamischen Ländern. Doch wie funktioniert ein Geschäft, bei dem Banken augenscheinlich keine Gewinne durch klassische Finanzprodukte und Handelskonzepte erzielen? In diesem Artikel soll Islamic Banking, seine Geschichte und Eigenheiten erklärt werden. Anschließend sollen kurz die in Deutschland tätigen Banken, welche sich diesem Spektrum der Bankenwelt zuordnen, vorgestellt werden, sowie die Relevanz von Islamic Banking auf internationaler Ebene.

Was ist Islamic Banking?

Zunächst soll kurz die Geschichte des Islamic Banking angeschnitten werden. Die erste Bank, welche ohne jegliche Art von Zinsen praktizierte, wurde 1963 in Ägypten etabliert. Der Gründer war ein unter anderem in Deutschland ausgebildeter Student des Sparkassenwesens. In Kooperationen mit deutschen Professoren begann er den Aufbau der ersten zinslosen Bank, welche innerhalb kürzester Zeit über 200.000 Mitglieder anwarb. Obwohl die Bank nur vier Jahre später vom damaligen Präsidenten Gamal Abel Nasser verboten wurde, erlangte das Konzept auf internationaler Ebene schon damals Aufmerksamkeit, und so wurden in den kommenden beiden Jahrzehnten erste islamische Banken in den VAE, Malaysia, Pakistan, dem Iran und im Sudan eröffnet. In beiden letzteren sind islamische Banken die einzig zugelassenen, da die Gesetze in beiden Staaten Scharia-konform sind. Die erste offizielle islamische Bank war die Dubai Islamic Bank, welche 1975, unter Einhaltung aller strengen Auflagen, gegründet wurde.

Islamische Banken unterscheiden sich maßgeblich von den Klassischen. Dies gilt nicht nur für die Geschäftspraktiken, sondern auch für den gesellschaftlichen Stellenwert der Bank und ihrer Beziehung zu den Kunden. Die Bankgeschäfte der islamischen Banken müssen im Einklang mit den religiösen Regeln des Islams ablaufen. Dazu gehören ein allgemeines Zinsverbot („Riba“), ein Verbot von Spekulationen („Gharar“) sowie des Glücks- und Wettspiels („Maysir“). Somit ist auch der unter Umständen ertragreiche Handel mit Derivaten untersagt und nur Geschäfte mit konkreten Gütern gestattet. Ebenfalls ist es diesen Banken nicht genehmigt, geschäftliche Kooperationen, Finanzierungen und Bankgeschäfte sowie Investitionen mit Akteuren zu vollziehen, welche ihren Ertrag durch unethische Produkte erzielen. Dazu gehören neben dem Handel mit Drogen, Alkohol, Prostitution, Pornographie und Waffenhandel auch weniger offensichtliche Felder, wie der Handel mit Schweinefleisch und Tabak. Da der Bankkunde bzw. Investor nicht als Gläubiger auftritt, ist er als Unternehmer an Gewinn und Verlust der Bank beteiligt. Streng genommen darf ebenfalls nicht gehandelt werden, was dem Verkäufer nicht gehört, was dazu führt, dass nur materielle Sachwerte, wie Immobilien oder Firmenanteile, in Frage kommen. Investitionsmöglichkeiten sind jedoch oftmals Mangelware, gerade in Europa. In Kombination mit der Einschränkung der Anlagealternativen führt dies teilweise dazu, dass hohe Geldreserven brach liegen und durch das Zinsverbot keine Erträge erzielt werden. Nach der Finanzkrise wurde dem Konzept ein hoher Stellenwert in der Bankenwelt zugesprochen. Durch das Verbot von Spekulationen und dem Handel mit Derivaten würden die Geschäfte der islamischen Bank sich näher an der Realwirtschaft positionieren, sogar eine stabilisierende Wirkung für den Finanzmarkt wurde spekuliert.

Islamic Banking in Deutschland

Der Bedarf nach islamischen Banken sollte eigentlich selbsterklärend sein. Über vier Millionen Muslime leben in Deutschland, seit der Flüchtlingskrise 2015 sind es einige mehr. Unter ihnen zahlreiche, die wahrscheinlich längerfristig in Deutschland bleiben könnten und islamische Dienstleistungen wie Islamic Banking längerfristig in Anspruch nehmen könnten.

Seit 2015 gibt es Islamic Banking auch in Deutschland. Die KT Bank mit Hauptsitz in Frankfurt am Main eröffnete als erste in Deutschland. Sie ist eine Tochtergesellschaft der türkischen Kuveyt Türk Katılım Bankası AG. Mittlerweile existieren, abgesehen von der ersten Niederlassung, mehrere Filialen in deutschen Großstädten. Das Hauptprodukt der Bank ist das zinslose „Beteiligungskonto“. Über dieses investieren Kunden in Sachwerte und Unternehmen, vorwiegend deutsche und regionale. Dabei wird meist in mittelständische Unternehmen in der Immobilien- und der Nahrungsmittelbranche und dem Groß- und Einzelhandel investiert. Konkret heißt das, dass Nettogewinne zwischen dem Kunden und der Bank aufgeteilt werden. Alle Einlagen fließen in einen Investitionspool, aus welchem die Bank sich bedient. Die Gewinnbeteiligung ist abhängig von der Laufzeit (ein bis 36 Monate) und der Höhe (ab 1000 Euro) des angelegten Kapitals ab. Das Risiko wird mit dem Kunden geteilt, Einlagen bis 100.000 Euro sind geschützt. Als Finanzierer ermöglicht die Bank ihren Kunden auch den Erwerb von beispielsweise Immobilien. Durch das Kreditverbot erwirbt die Bank folglich eine Immobilie und verkauft diese in Raten an seine Kunden. Dabei wird ein Preisaufschlag von knapp drei Prozent erhoben. Dieser Prozess wird Beteiligungsgesellschaft genannt.

Mit „Insha“ eröffnete das zweite islamische Finanzinstitut in Deutschland im Mai 2018. Zusammengetan hat sich das Start-up mit Ursprüngen in der Türkei mit der Berliner Solarisbank. Diese besitzt eine Vollbanklizenz und soll dafür sorgen, dass Insha keine rechtlichen oder technischen Probleme mit der Finanzaufsicht bekommt.

Gemeinsam haben beide Geldinstitute eins: Sie betonen, dass sie nicht nur Banken für Muslime sind, sondern jedem, der an ethischen und nachhaltigeren Investments interessiert ist, als potentiellen Kunden sehen. Ebenfalls verbindet die KT und die Insha eine interessante Regelung. Da im Islam unterschiedliche Rechtsschulen die Scharia unterschiedlich auslegen bzw. interpretieren, könnte die eine Bank eine bestimmte Geschäftspraktik bzw. Finanzdienstleistung unter Umständen ausführen, welche die andere ablehnt. Über konkretere Fälle entscheidet bei beiden ein Ethikrat, welcher die Geschäfte überwacht und auch Sonderfälle bewertet und Entscheidungen fällt.

Islamic Banking international

Für in Asien tätige islamische Banken lassen sich im Vergleich zum deutschen oder allgemein europäischen Finanzmarkt deutlich konkretere Informationen festhalten. In diesem Abschnitt soll abgebildet werden, welche Relevanz Islamic Banking in Asien, sowohl in den GCC, als auch in den ASEAN-Staaten, annimmt.

Eine wichtige Rolle nehmen hierbei die sogenannten „Sukuk“ ein. Dabei handelt es sich um eine der beliebtesten Geldanlagen des islamischen Bankwesens, genauer gesagt um Wertpapiere, welche zinslos sind und bei denen die Inhaber aus ihren Beteiligungen bzw. aus ihrem angelegten Kapital Erträge erhalten. Um das islamische Bankwesen in einen internationalen Kontext zu setzen: Es repräsentiert ein kleines, aber wachsendes Segment der globalen Finanzindustrie, das auf 1 bis 2 Prozent der globalen Finanzvermögen weltweit geschätzt wird, über ein Anlagevolumen von ca. 1,7 Trillionen US-Dollar verfügt und ein durchschnittliches Wachstum von 17,6 Prozent in den vergangenen vier Jahren verzeichnen konnte.

ASEAN

Asien ist im Jahr 2017 zum größten Händler von Sukuk herangewachsen. Anlagen im Wert von insgesamt 52,3 Mrd. US-Dollar bzw. einem Anteil von 52,5 Prozent aller Sukuk weltweit wurden in Asien (GCC exkludiert) generiert, 60,7 Prozent aller Sukuks weltweit sind im Besitzt der ASEAN-Staaten. In der Gesamtwertung aller islamischen Finanzanlagen liegen die ASEAN-Staaten mit einem Anteil von 42,8 Prozent auf dem ersten Platz. Malaysia verwaltet den Großteil dieser Anlagen mit einem Volumen von 182,8 Mrd. US-Dollar (67,5 Prozent), auf den Folgeplätzen sind Bangladesch (30,3 Mrd. US-Dollar) und Indonesien (26,9 Mrd. US-Dollar). Die größte islamische Bank der ASEAN-Staaten ist die malaysische Maybank Islamic, welche den islamischen Teil der Maybank Group darstellt. Sie besitzt aktuell ca. 5 Prozent aller islamischen Finanzanlagen weltweit, wobei der Wert noch bei 1,3 Prozent im Jahr 2009 lag. Insgesamt hat der islamische Bankensektor im Jahr 2017 ein Wachstum von 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnen können.

GCC

In den Golfstaaten machen islamische Banken ca. 19 Prozent des gesamten Banksektors aus. Für das kommende Jahr wird von S&P Global ein finanzielles Wachstum von 4 bis 5 Prozent erwartet. Unterstützt wird diese Prognose von unterschiedlichen Maßnahmen und Vorhaben der Regierungen in den GCC wie die FIFA Weltmeisterschaft in Qatar, der Dubai EXPO 2020 oder auch der Saudi Vision 2030. Das Wachstum einzelner Anlagen soll gering ausfallen, bedingt durch den niedrigen Ölpreis. Bis 2021 sollen die weltweiten islamischen Finanzanlagen einen Wert von 3,3 Trillionen US-Dollar erreichen. Hierbei soll vor Allem die Anzahl ausgestellter Sukuk erhöht werden, auch der erweiterte Einstieg ausländischer Regierungen und Unternehmen soll die GCC dabei unterstützen, zu diesem Ziel beizutragen.

Die in Dubai ansässige Emirates Islamic Bank wurde kürzlich zur „Best Islamic Banking Brand“ gekürt. Sie wurde 2004 gegründet und war die erste islamische Bank, welche eine mobile Banking-App und Apple Pay in den VAE einführte.

Fazit

Der wachsende Markt für islamische Finanzdienstleistungen folgt klar den demographischen Entwicklungen weltweit. Die Anzahl der Muslime wächst weiter und ihr Bedürfnis nach einem ihren Wertevorstellungen konformen Bankwesen ebenso. Das Islamic Banking jedoch nicht nur für Muslime lukrative Eigenschaften bietet, sollte nun klar sein. Gerade in Südostasien und in den GCC erfährt sich das Bankwesen großen Zulauf und überzeugt mit ethischen und moralisch vertretbaren Richtlinien. Im Vergleich zu Asien steckt das deutsche islamische Bankwesen noch in den Kinderschuhen. Wie es sich entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Abzusehen ist allerdings, dass Islamic Banking eine interessante Rolle in der deutschen Bankenwelt einnehmen könnte. Vorausgesetzt die beiden Banken KT und Insha können die sich selbst gesteckten Ziele einhalten und in kurzer Zeit einen stabilen Kundenstamm aufbauen. Die Entscheidung, sein Geld einem Finanzinstitut zur Verfügung zu stellen, welches nicht nur auf reinen Profit aus ist, sondern den Fokus auf den Menschen und die Gesellschaft richtet, bleibt letztendlich jedem selbst überlassen.

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