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Vereinigte Arabische Emirate: Umsatzsteuer in der Umsetzung
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February 27, 2018
Written by:
Dr. Thomas Wülfing

Das Umsatzsteuergesetz der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE)

Das Umsatzsteuergesetz der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und die dazu ergangene Ausführungsverordnung sind jeweils am 01. Januar 2018 in Kraft getreten (vgl. Art. 85 des Umsatzsteuergesetzes und Art. 75 der Ausführungsverordnung). Bereits am 31. Januar 2018 ist die erste, nur einmonatige Steuerperiode abgelaufen, sodass nun die ersten Umsatzsteuermeldungen fällig werden.

Mit Blick auf die nun also anlaufende praktische Umsetzung der Umsatzsteuergesetzgebung in den VAE zeigt dieser Beitrag die jüngsten Entwicklungen und die grundlegenden Melde- und Fristerfordernisse auf.

  • Mit der neu eingerichteten, online-basierten Registratur- und Veranlagungslösung scheint die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate die neue Umsatzsteuergesetzgebung praktisch mustergültig umgesetzt zu haben.
  • Die maßgeblichen steuergesetzlichen Rechtsgrundlagen existieren seit August 2017 bzw. November 2017 und traten bereits zum Januar 2018 in Kraft. Es handelt sich um das Federal Decree-Law No. (8) of 2017 on Value Added Tax (das Umsatzsteuergesetz) und die hierzu ergangene Cabinet Decision No. (52) of 2017 on the Executive Regulations (die Ausführungsverordnung).
  • Das Ende des Monats Februar markiert den ersten Ernstfall. Spätestens am 28. Februar 2018 werden die ersten Umsatzsteuermeldungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten fällig.

Voraussetzungen und Fristen für die Registratur

 Bereits Ende des Jahres 2017 mussten sich die von der Umsatzsteuerabführung betroffenen Unternehmen in den VAE bei der emiratischen Federal Tax Authority (FTA) registrieren.

Nach Art. 17 Abs. 1 und 2 der Ausführungsverordnung und den ergänzenden Bestimmungen der FTA richteten sich die Fristen für die Anmeldung als umsatzsteuerpflichtiges Unternehmen nach dem jeweiligen Jahresumsatz:

 Grundsätzlich sind Unternehmen nur dann verpflichtet, sich bei der FTA zu registrieren, wenn sie in der zurückliegenden 12-monatigen Geschäftszeit einen Absatz von solchen Produkten und Dienstleistungen, die nunmehr der Umsatzsteuer unterliegen, in Höhe von 375.000 Dirham (AED) (ca. EUR 83.000) oder mehr zu verzeichnen hatten (vgl. Art. 7 der Ausführungsverordnung). Unternehmen mit einer Absatzhöhe von weniger als AED 187.500 (ca. EUR 41.000) können sich nicht – nicht einmal freiwillig – zum Umsatzsteuerverfahren anmelden.

Überschreitet ein Unternehmen die genannte Absatzschwelle von AED 375.000, so hat die Registratur innerhalb von 30 Tagen zu erfolgen. Ansonsten droht die Verhängung eines Bußgeldes in Höhe von AED 20.000 (ca. EUR 4.500).

Im Oktober 2017 gab die FTA diejenigen Meldetermine bekannt, die für bereits bei Inkrafttreten der neuen Umsatzsteuer meldepflichtige Unternehmen maßgeblich sein sollten: Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als AED 150 Mio (ca. EUR 33,2 Mio) hatten sich bis Ende Oktober 2017 anzumelden. Bei einem Jahresumsatz von über AED 10 Mio (ca. EUR 2,2 Mio) musste sich das betreffende Unternehmen bis Ende November 2017 anmelden. Andere meldepflichtige Unternehmen mit kleineren Umsatzzahlen sollten sich schließlich bis 04. Dezember 2017 bei der FTA anmelden.

Unterschiedliche Steuerperioden

Nach erfolgter Registratur werden für jedes Unternehmen notwendigerweise drei Daten bestimmt, nach denen sich Frequenz und Fristen der Umsatzsteuermeldung und -Zahlung richten: Die Länge der Steuerperiode, der erste Fälligkeitsmonat sowie das Meldungs- und Zahlungsdatum.

Steuerperiode

Nach Art. 62 Abs. 1 der Ausführungsverordnung erstreckt sich die Steuerperiode standardmäßig über einen Zeitraum von drei Monaten. Nach Abs. 2 der Vorschrift kann die FTA aber auch längere oder kürzere Zeiträume für einzelne steuerpflichtige Unternehmen oder ganze Gruppen von steuerpflichtigen Unternehmen festsetzen. Dies soll dem Zweck dienen, das Risiko der Begehung von Steuerdelikten zu senken, die Kontrollierbarkeit des Verfahrens zu erleichtern und den Verwaltungsaufwand sowohl für die Finanzverwaltung als auch für die betroffenen Unternehmen zu steuern und zu erleichtern.

Von dieser Anpassungsmöglichkeit hat die FTA auch bereits Gebrauch gemacht. Einerseits hielt es die FTA bereits im Vorfeld des Inkrafttretens des Umsatzsteuergesetzes für erforderlich, die umsatzstärksten Unternehmen in den VAE besonders genau zu beobachten und eine nur einmonatige Steuerperiode festzusetzen. Bislang betrifft dies Unternehmen mit einem Umsatz von mindestens AED 150 Mio.

Andererseits haben zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen in den VAE stark für die Ergreifung von geeigneten Maßnahmen plädiert, um die Umsetzungs- und Einstiegsphase zu entzerren und die administrative Last für die Unternehmen zu erleichtern. In Reaktion hierauf setzte die FTA Anfang Januar 2018 bereits für viele Unternehmen fest, dass deren erste Steuerperiode entweder auf einen Zeitraum von vier oder sogar fünf Monaten ausgedehnt wird. Anschließend sollen die betroffenen Unternehmen wieder dem normalen dreimonatigen (oder anderweitig festgesetzten) Rhythmus folgen.

Welche Steuerperiode im Einzelfall gilt, kann jedes registrierte Unternehmen im jeweiligen Account des online-basierten Registratur- und Meldesystems der FTA einsehen.

Erster Fälligkeitsmonat

Nach Art. 62 Abs. 3 der Ausführungsverordnung kann ein Unternehmen, das der dreimonatigen Steuerperiode unterliegt, beantragen, das Ende der Steuerperiode auf einen bestimmten Monat festzusetzen. Die FTA kann diesem Antrag nach eigenem Ermessen folgen.  Das bedeutet, dass dem Unternehmen beispielsweise die Möglichkeit eingeräumt werden kann, die neuen umsatzsteuerrechtlichen Verpflichtungen an den Rhythmus der eigenen buchhalterischen und bilanztechnischen Vorgänge anzupassen.

Meldungs- und Zahlungsdatum

Art. 64 Abs. 1 und 3 der Ausführungsverordnung legen fest, dass sowohl die jeweilige Umsatzsteuererklärung über die abgelaufene Steuerperiode als auch die Zahlung der danach abzuführenden Steuerbeträge spätestens am 28. Tag desjenigen Monats, der auf die abgelaufene Steuerperiode folgt, bei der FTA eingegangen sein müssen. Im Einzellfall kann die FTA auch ein abweichendes Datum bestimmen.

Bei Nichteinhaltung dieser Frist drohen ebenfalls Bußgelder, deren Höhe zwischen AED 1.000 bei der ersten Verfehlung des Meldedatums bis hin zu 300 % der pflichtwidrig nicht abgeführten Umsatzsteuer bei Zahlungsverspätungen von mehr als einem Monat reichen können.

Fazit: Zusammenarbeit und Kommunikation

 Dies führt nunmehr dazu, dass die erste, einmonatige Steuerperiode bereits am 31. Januar 2018 endete. Die Umsatzsteuermeldungen vieler Unternehmen sind folglich zum 28. Februar 2018 fällig.

Während Regierung und Finanzverwaltung der VAE damit ein durchaus eingängiges rechtliches System geschaffen und dessen Umsetzung auf einen guten Weg gebracht haben, wird sich in den kommenden Wochen zeigen, ob auch die in den Emiraten ansässigen Unternehmen mit der Entwicklung Schritt halten können. Die FTA betont inzwischen die Wichtigkeit einer guten Zusammenarbeit und Kommunikation mit den Unternehmen sowie der damit verbundenen Förderung von freiwilliger, einfach einzuhaltender Compliance. Die Praxistauglichkeit des Umsatzsteuersystems der VAE wird sich aber vor allem nach Ablauf der teilweise verlängerten ersten Steuerperiode zeigen – also dann wenn der Großteil der emiratischen Unternehmen verpflichtet ist, Umsatzsteuer zu melden und abzuführen.


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