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Wirtschaftsstandort Iran - aufstrebende Branchen
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March 21, 2018
Written by:
Damon Rahimi

Aufstrebender Iran - wichtige Branchen

Mit hohen Erwartungen und starkem Optimismus blickte die Wirtschaft im Jahr 2016 der Aufhebung der internationalen Sanktionen gegen den Iran entgegen. Zwar ist der erhoffte ökonomische Aufschwung – insbesondere in dem erhofften Umfang – bislang noch nicht eingetreten, dennoch gibt es durchaus Branchen, denen eine beachtenswerte Entwicklung attestiert werden kann. Besonders hervorzuheben sind hier die Entwicklungen in der Öl- und Gas- sowie in der Automobilindustrie. Auch Branchen wie die Energie- und Gesundheitswirtschaft sowie die Umwelttechnikindustrie haben sich positiv entwickelt und bieten lukrative und spannende Investitionsmöglichkeiten. Weniger getan hat sich hingegen in Branchen wie der Chemie-, Metall- und Maschinenbauindustrie. Besonders hier besteht nach wie vor ein erheblicher Modernisierungsbedarf. Trotz der positiven Entwicklungen in vereinzelten Bereichen muss insgesamt aber festgehalten werden, dass der Iran nach wie vor einen hohen Entwicklungs- und Modernisierungsbedarf in den meisten Wirtschaftszweigen verzeichnet. Im Folgenden werden kurz die aus unserer Sicht derzeit aussichtsreichsten Branchen im Iran analysiert sowie die aktuellen Entwicklungen dargestellt.

Automobilindustrie:

Eines der wichtigsten wirtschaftlichen Standbeine des Irans ist nach der Öl- und Gasindustrie die Automobilindustrie. Mehr als 12 % aller Arbeitnehmer sind hier beschäftigt und die Wirtschaftsleistung der Industrie hat einen Anteil am BIP des gesamten Landes in Höhe von ca. 4 %. Im Hinblick auf im Iran tätige ausländische Unternehmen kann man hier grundsätzlich wie folgt unterscheiden: Zum einen die lokal produzierenden Unternehmen – welche in Form eines Joint Ventures mit einem internationalen Hersteller kooperieren (beispielsweise Mercedes Benz und Setareh Iran) oder Lizenzgeber sind (bis vor kurzem, bis die Zusammenarbeit erweitert wurde: Peugeot für Iran Khodro) –, zum anderen die klassisch in den Iran exportierenden Unternehmen.

Besonders attraktiv ist der lokale Kfz-Markt für in den Iran exportierende Automobilzulieferbetriebe, was vor allem an den stark angehobenen Zollsätzen auf fertig montierte Pkw liegt. Diese wurden zum Jahreswechsel von ehemals 5 % auf bis zu 95 % erhöht (gestaffelt nach Motorgröße), wobei die Einfuhr von Fahrzeugen mit Dieselmotoren oder Motoren mit über 2.500 Kubikzentimetern sowie Fahrzeugen mit einem CFR-Wert von über 40.000 US-Dollar gänzlich verboten wurde. Etwas begünstigt im Vergleich zu Pkw mit Verbrennungsmotor sind Hybridfahrzeuge, hier liegt der Einfuhrzoll je nach Motorgröße bei „nur“ 25 % bis 65 % des Einkaufspreises.

Abgewickelt wird der Pkw-Import hauptsächlich über Dubai; aktuell werden 69 % aller ausländischen Fahrzeuge über Dubai eingeführt. Führender Fahrzeugimporteur ist Hyundai/Kia mit einem Marktanteil von ca. 50 %. Der Anteil deutscher Fahrzeuge (herstellerunabhängig) liegt bei ca. 6 % aller importierten Fahrzeuge (knapp 4.000 Fahrzeuge). Die direkten Importe aus Deutschland belaufen sich sogar lediglich auf nur 3 % der Gesamtzahl der importierten Fahrzeuge – womit die Importe aus Deutschland weit hinter denen aus Südkorea oder Frankreich liegen.

Bedingt durch die erhöhte Pkw-Nachfrage steigt die Produktionszahl stetig – der Absatz ist im iranischen Geschäftsjahr 2016/2017 im Vergleich zum Vorjahr von 0,9 Mio. Stück auf 1,3 Mio. gestiegen. Bis zum Jahr 2025 soll sich der Absatz auf ca. 3 Millionen Fahrzeuge erhöhen, wobei hiervon ein Drittel für den Export vorgesehen ist. Diese Ziele sollen durch eine umfassende Erneuerung und Ausbau der vorhandenen Infrastruktur unterstützt werden.

Die Chancen für ausländische Automobilzulieferer liegen hier vor allem in Produktionskooperationen. Diese werden sowohl von staatlichen als auch privaten iranischen Automobilherstellern bzw. -zulieferern begrüßt. Das fehlende Know-how, der Mangel an erforderlicher Qualität einzelner Teile sowie die nicht vorhandene Kapazität den wachsenden Automobilmarkt zu bedienen werden aller Voraussicht nach jedoch weiterhin dafür sorgen, dass auch für die kommenden Jahre steigende Importzahlen erwartet werden können.

Energiewirtschaft:

Neben der Automobilindustrie stellt weiterhin die Energiewirtschaft, insbesondere der Markt für erneuerbare Energien (EE), einen der chancenreichsten Wirtschaftszweige des Landes dar. Durch die stetig wachsende Bevölkerung sowie die prognostizierte steigende Anzahl von produzierenden Unternehmen wird in den kommenden Jahren mit einem Anstieg des Stromverbrauchs von 5 % pro Jahr gerechnet. Um der damit einhergehenden Nachfrage – der Großteil des Stromverbrauchs wird von der verarbeitenden Industrie und privaten Haushalten konsumiert – Herr zu werden, plant die Iranische Iran Power Generation and Transmission Company die Gigawatt-Kapazität der Kraftwerke bis 2025 um über 60 % auf 120 GW zu erhöhen. Wird ein Großteil der derzeitigen Kapazität zwar bislang noch klassisch aus Gas- und Ölkraftwerken gewonnen (kombiniert 62 GW), hat sich die Regierung für die Zukunft jedoch das Ziel gesetzt, nachhaltigere Energiequellen intensiver zu fördern. Vor allem Wind- und Solaranlagen sollen bis 2030 7,5 GW Energie (ohne Wasserwerke) erzeugen können. Als Anreiz werden schon heute teils attraktive Einspeisevergütungen an private EE-Kraftwerkbetreiber ausgezahlt, welche sich in der Höhe allerdings je nach Stromkapazität, Anlagengröße und verwendeter Technologie unterscheiden. Allerdings handelt es sich insoweit (noch) um die einzige staatliche Förderungsmaßnahme für erneuerbare Energien; im Übrigen ist es Betreibern gesetzlich untersagt, anderweitige öffentliche finanzielle Unterstützung anzunehmen. Mit den dann erhöhten Kapazitäten soll aber nicht nur der Eigenbedarf gedeckt werden, sondern ebenfalls Strom für Exportlieferungen in Nachbarländer zur Verfügung gestellt werden.

Laut dem Energieministerium sind die nördlichen Regionen des Irans hervorragende Standorte für Windparks – angabengemäß bieten die Regionen insgesamt ein Potenzial von bis zu 20 GW an Stromkapazität. Momentan beläuft sich die Kapazität der bestehenden Anlagen auf 158,5 MW. Der Gesamtwert der geplanten Anlagen beläuft sich auf 715 MW. Als führender Maschinen- und Anlagenbauer ist die Mapna Group zu nennen, welche seit 2015 auch eigene Turbinen fertigt. In Zusammenarbeit mit der deutschen eab New Energy GmbH entsteht in der Provinz Khuzestan derzeit ein Windpark mit 14 Anlagen. Insgesamt soll hier mit einem Investitionsvolumen von 350 Millionen Euro ein Ertrag von 300 MW erzielt werden. Weitere Projekte in Kooperation mit deutschen Partnern sind aktuell in der Entstehung. Auch in dieser Branche soll die lokale Herstellung von Windturbinen und für Windparks benötigte Technik stärker gefördert werden, u.a. durch Schutzzölle und um bis zu 30 % erhöhte Einspeisetarife für lokale Unternehmen.

Meteorologisch bietet der Iran allerdings deutlich attraktivere Voraussetzungen für Solarenergie als für Windenergie. Eine Sonneneinstrahlung zwischen 4,5 und 5,5 kWh pro qm und Tag bietet ideale Voraussetzungen für Photovoltaikanlagen (PV). Diese machen auch den Großteil der zur Förderung von Solarenergie eingesetzten Anlagen aus. Doch nicht nur der Ausbau von großflächig angelegten PV-Feldern, sondern auch die private Benutzung solcher Anlagen soll in den kommenden Jahren stärker gefördert werden. In Großanlagen investiert haben bereits mehrere europäische Unternehmen. Das größte deutsche Vorhaben wurde von den Unternehmen RDS Energies aus Berlin und Pathos Solar GmbH aus Heidelberg angestoßen, welche bereits zwei 10 Hektar große Anlagen mit einer Kapazität von 10 bzw. 14 MW in der Nähe von Teheran errichtet haben.

Gesundheitswirtschaft:

Ebenfalls sind in der Gesundheitswirtschaft im Iran positive Entwicklungen zu verzeichnen. Hierbei spielen insbesondere der Aufbau neuer Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäuser sowie die Produktion bzw. der Import von Medizintechnikgütern eine große Rolle. Vor allem der Privatsektor soll durch Investitionen aus dem In- und Ausland im Rahmen einer auf „Private Public Partnership“ (PPP) stützenden Kooperation der aktuellen Unterversorgung medizinischer Einrichtungen entgegenwirken, was u.a. dadurch erreicht werden soll, dass dem Privatsektor ein deutlich höherer Anteil der Bettenkapazität zugesprochen werden soll. Lag der Anteil von Betten in privater Hand im Jahr 2013 noch bei 10 %, so sollen es bis 2020/21 schon 60 % sein.

Weiterhin soll grundsätzlich eine Vielzahl medizinischer Leistungen auf den privaten Sektor übertragen werden. Dieser soll in Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsministerium und den oftmals unterfinanzierten Sozialversicherungsorganisationen erkrankte Patienten verwalten sowie deren Verteilung auf Krankeneinrichtungen und die Höhe der Vergütungen bestimmen. Beispielgebend für eine erste Kooperation in dieser Form ist das italienische Unternehmen Pessina Costruzioni, welches vor zwei Jahren mit dem Gesundheitsministerium eine Absichtserklärung über fünf Krankenhäuser und insgesamt 4.000 Betten abgab.

Des Weiteren bietet der hohe Bedarf an Medizintechnik lukrative Einstiegsmöglichkeiten für ausländische Investoren. Medizinische Einwegausrüstungen und einfache technische Geräte werden bereits vollständig durch Unternehmen wie die Supa Medical Devices Company oder die mit der deutschen Heyer Medical AG kooperierende Pooyandegan Rah Saadat Company in Iran hergestellt. Der Bedarf an hochentwickelter Medizintechnik wird aktuell zu mehr als 70% durch Importe gedeckt. Im Jahr 2016/17 spielte Deutschland mit einem Exportvolumen von 169 Millionen US-Dollar eine führende Lieferantenrolle. Im Vordergrund stehen hierbei Geräte aus den Produktgruppen Orthopädietechnik (53 Millionen US-Dollar) und Röntgenapparate (27 Millionen US-Dollar). Im selben Jahr belief sich der Marktanteil von lokalen Medizintechnikanbietern auf 25%. In den kommenden Jahren wird mit einem geplanten Anstieg dieses Anteils gerechnet, da der Fortschritt bei der Herstellung technologisch anspruchsvoller Medizintechnik rasant voranschreitet. Unabdinglich für diesen Schritt bleibt jedoch die Kooperation mit ausländischen Unternehmen zwecks des notwendigen Know-how-Transfers. Zuletzt haben das iranische Gesundheitsministerium und das japanische Ministerium für Entwicklungszusammenarbeit ein bilaterales Abkommen über die Auslieferung japanischer Medizintechnik im Wert von 14 Millionen US-Dollar abgeschlossen.

Leider hat der erhoffte Aufschwung der iranischen Wirtschaft noch nicht in dem erwarteten Maße stattgefunden –trotz zahlreicher Chancen, die das Land bietet. Der nur schwer einzuschätzende außen- und wirtschaftspolitische Regierungskurs der USA gegenüber dem Iran sorgt dafür, dass viele potenzielle Investoren weiterhin von dem durchaus lukrativen Markt Abstand halten. Bei aller Skepsis sollte aber nicht vergessen werden, dass Geschäfte mit dem Iran – insbesondere für deutsche/europäische Unternehmer – seit 2016 grundsätzlich wieder möglich sind und internationale Sanktionen dem nicht mehr entgegenstehen. Gleiches gilt für Investitionen in dem Land. Weiterhin ist anzumerken, dass es sich beim Iran nicht nur um einen klassischen Absatzmarkt handelt, sondern die iranische Regierung verstärkt insbesondere an Know-how Transfers interessiert ist und insoweit attraktive „Fördermöglichkeiten“ bietet. Der Iran bietet in der gesamten MENA-Region kaum vergleichbare Wachstumspotentiale und Chancen für ausländische Unternehmen in fast allen Branchen, und wer jetzt den Schritt wagt, kann sich in vielen Bereichen noch als „First-Mover“ schnell Marktanteile sichern.


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