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Vietnam - Foreign Direct Investments
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April 17, 2018
Written by:
Erik Ahrens

Die sozialistische Marktwirtschaft Vietnams konnte im Jahr 2017 ein Wachstum von 6,8 Prozent verzeichnen. Begünstigt wird diese Progression durch den Rückzug des Staates aus öffentlichen Unternehmen und die (Teil-)Privatisierung einiger Großunternehmen. Das Land konnte sich außerdem als fester Bestandteil internationaler Lieferketten etablieren. In den ersten zwei Monaten des Jahres 2018 konnte Vietnam seine Rolle als Investitionsmagnet weiter unter Beweis stellen. Nachdem das Land im Jahr 2016 einen Zufluss von ausländischen Direktinvestitionen in Höhe von 15,8 Mrd. US$ verzeichnete und im darauffolgenden Jahr sogar knapp 17,5 Mrd. US$ verbuchte (kumulierter Bestand 2017: 319 Mrd. US$), wobei für beide dieser Werte die bereits zugesagten aber noch nicht getätigten Investitionen exkludiert sind, begann das Jahr 2018 ebenso erfolgreich. Wie das vietnamesische Investitionsministerium Ende Februar bekannt gab, wurden bereits über 1,7 Mrd. US$ und somit knapp 10 Prozent mehr, im Vergleich zum Vorjahr, investiert. Die Investitionsträchtigsten Wirtschaftssektoren sind hierbei in den letzten Jahren die Fertigungsindustrie und das verarbeitende Gewerbe sowie das Bau- und Immobiliengewerbe. Die substanziellsten Herkunftsländer dieser Investitionen sind Korea, Japan und Singapur.

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick über ausländische Direktinvestitionen in Vietnam verschaffen, die Rolle deutscher Unternehmen hierbei zusammenfassen, auf marktspezifische Eigenschaften eingehen und einen Einblick in einen der aussichtsreichsten und vielversprechendsten Sektoren gewähren.

Deutsches Engagement in Vietnam:

Im Vergleich zu den Hauptinvestoren Korea, Japan und Singapur, ordnet sich Deutschland nur auf dem zwanzigsten Ranglistenplatz der Investoren ein. Mit 0,5 Prozent bzw, 1,4 Mrd. US$ Anteil an dem gesamten Investitionsvolumen von 293,2 Mrd. US$ spielen die Direktinvestitionen von insgesamt 275 deutscher Unternehmen hier noch keine bedeutende Rolle (Stand: Ende 2016).

Allerdings lässt sich im Jahr 2017 ein starker Aufwärtstrend verzeichnen. So wurden 33 neue deutsche Projekte mit einem Kapital von ca. 340 Mio. US$ angemeldet. Dabei handelt es sich um eine Vervierfachung der 2016 getätigten Direktinvestitionen. Ein Großteil des Kapitals ist hierbei in die Produktionsindustrie und in den Energiebereich geflossen.

Die Prognosen für das Jahr 2018 klingen vielversprechend; So sind laut einer Befragung der deutschen Außenhandelskammer in Vietnam 70 Prozent der befragten deutschen Firmen durchaus zufrieden mit den Geschäftsverläufen und 50 Prozent erwägen eine Erhöhung des angelegten Kapitals. Beispielsweise plant der deutsche Medizintechnikhersteller B.Braun, welcher neben Bosch, Schaeffler und Mercedes Benz einen der größten deutschen Investoren des Landes darstellt, in diesem Jahr einen signifikanten Ausbau seiner Kapazitäten.

Nachfolgend eine kurze Aufstellung der Branchen, in denen deutsche Unternehmen in Vietnam tätig sind:

•   Chemieindustrie:

Im Jahr 2016 begann Behn Meyer mit dem Bau einer Düngemittelfabrik im Süden des Landes. Die Bayer-AG betreibt in Vietnam zwei Werke in denen Stoffe für die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln hergestellt werden.

•   Textilindustrie:

Als fünftwichtigster Lieferant von Textilmaschinen konnten deutsche Unternehmen im Jahr 2016 ein Exportvolumen von 104 Mio. Euro erzielen und somit den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppeln.

•   Automobilindustrie:

Wie bereits erwähnt spielt Mercedes-Benz in diesem Bereich eine maßgebliche Rolle. Als einziger deutscher Automobilhersteller vor Ort konnte das Unternehmen knapp 6.000 Einheiten seiner vier in Vietnam produzierten Modelle verkaufen. Auch Audi konnte im Jahr 2016 die Verkaufszahlen um 40 Prozent erhöhen (nach Vietnam exportierte Einheiten).

•   Energiewirtschaft:

Deutsche Investoren mit Interesse an Windkraftprojekten erhalten in Vietnam Unterstützung von staatlicher Seite in Form von Steuererleichterungen, Befreiung von Importzöllen auf nicht in Vietnam erhältliche Komponenten zum Bau von Windkraftanlagen und Unterstützung beim Erwerb von Landnutzungsrechten. Doch auch die AHK und die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ), welche Programme zur Förderung erneuerbarer Energien und insbesondere Windenergie realisiert, steht mit Beratung und Dienstleistung zur Projektentwicklung zur Verfügung. Die deutsche EAB New Energy GmbH eröffnete im Dezember 2017 nördlich von HCM ein 37-Megawatt-Projekt.

Exportnation Vietnam: Umgang mit Marktschwächen

Trotz des stark steigenden Wachstums und der hohen ausländischen Direktinvestitionen bleibt Vietnam im internationalen Vergleich eher irrelevant. Grund hierfür ist unter Anderem der mangelnde technologische Fortschritt der Industrie, welcher dazu führt, dass Produkte, welche von den exportorientierten ausländischen Unternehmen benötigt werden, nicht im Land hergestellt werden können. Dies führt unweigerlich zum Importbedarf dieser Produkte und somit auch zur Erhöhung der Produktionskosten. Hier liegt eine große Chance für vietnamesische Unternehmen, welche diesem Bedarf nachgehen sollten und somit eine relevantere Funktion für die lokale Wirtschaft einnehmen könnten. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2017 belief sich der Gesamtwert vietnamesischer Warenausfuhren auf 154 Mrd. US$, eine Steigerung von 19,4 Prozent verglichen mit dem Vorjahr. Die Mehrzahl der Exportgüter stellen dabei Elektronikartikel, Textilien, Bekleidung und Schuhe dar. Diese Produktionszweige sind außerdem maßgeblich für das vietnamesische Wirtschaftswachstum verantwortlich. Hauptabsatzmarkt sind hier die USA mit einem Anteil von 20 Prozent am Exportmarkt, Platz zwei belegt die EU. Weiterhin spielen die Produkte der ausländischen Direktinvestitionen eine immens relevante Rolle für die von Exporten getriebene Wirtschaft des Landes; bis zu 70 Prozent der Exporteinnahmen sind laut dem IWF auf diese Investitionen zurückzuführen.

Die Digitalisierung in einigen Bereichen unterstützt den Aufbau einer Hochmodernen Industriekultur. Aktuell profitieren hiervon in der Wirtschaft jedoch nur von ausländischen Investitionen getragene Unternehmen. Doch auch die Regierung weiß um die Relevanz dieser Themen. So wird mittels eines durch Digitalisierung bedingten Bürokratieabbaus, einer stärkeren Onlinezugänglichkeit von Genehmigungs- und Zollverfahren und behördlichen bzw. staatlichen Dienstleistungen ein empfänglicheres und leichter zugänglicheres Geschäftsumfeld gestaltet.

Des Weiteren schafft das für 2018 geplante ausgeweitete Privatisierungsprogramm der vietnamesischen Regierung weitere Anreize für ausländische Investoren. Insgesamt sollen in diesem Jahr Staatsbeteiligungen von über 180 Großunternehmen privatisiert werden. Zwar sollen einige Einzelunternehmen aufgrund von regulierten Beteiligungsvorgaben nur Anteile an vietnamesische Investoren abgeben können, ein Großteil jedoch soll auch für die ausländischen Investoren zur Verfügung stehen. Dazu gehören Vinamilk, Vietnam Airlines oder die Brauerei Habeco.

Baugewerbe und Immobiliensektor: Japan nimmt überlegene Rolle ein

Im vietnamesischen Bausektor zeichnet sich ein stabiles Wachstum ab. Zunehmende Urbanisierung und wachsender Tourismus sowie erforderliche Infrastruktur sorgen für eine hohe Nachfrage an baugewerblichen Leistungen. Zwar spielt das Baugewerbe und der Immobilienhandel gemessen an dem BIP Vietnams im Gegensatz zum Dienstleistungssektor oder dem Agrarsektor mit 5,6 Prozent nur eine kleine Rolle. Ausländische Investoren haben den Sektor jedoch für sich entdeckt, was für einen regelrechten Boom in dem Wirtschaftszweig sorgt. Insgesamt wird die Anzahl der Projekte auf über 7000 beziffert, mit einem Kapitalwert von über 45 Mrd. US$. Alleine im Jahr 2017 wurden 803 neue Projekte mit einem Gesamtwert von 2,34 Mrd. US$ geplant. Bei dem Großteil dieser handelt es sich um für die private Nutzung vorgesehene Immobilien (43 Prozent aller Vorhaben). Andere Beispiele sind die geplante Eco-smart city „Thu Thieme New Urban Are“, welche mit einem Investitionsvolumen von 886 Mio. US$ eines der teuersten Einzelvorhaben im Süden des Landes ist. Dieses soll in der Umgebung des Wirtschaftshochburg HCM realisiert werden. Im Juli 2017 wurde bereits das Konzept für den 26 Hektar großen und 350 Mio. US$ teuren Mizuki Park vorgestellt, welcher im Bin Chanh District nahe HCM erbaut werden soll. Entwickelt und konzipiert wurde dieser von der vietnamesischen Nam Long Group in Zusammenarbeit mit der japanischen Nippon Railroad und Hankyu Realty Japan. Die Rolle von japanischen Unternehmen bzw. Joint Ventures zwischen vietnamesischen und japanischen Unternehmen spielt in dieser Branche eine elementare Rolle. Der Japanische Automobilhersteller Mitsubishi plant in Zusammenarbeit mit der vietnamesischen Phuc Khang Construction and Investment Corporation ein nachhaltiges Bauprojekt für gewerbliche und private Immobilien in HCM. Bei der gemeinsam gegründete Joint Venture namens Phuc Khang Mitsubishi Corporation Holding hält der Vietnamesische Geschäftspartner mit 51 Prozent die Mehrheitsanteile.

Zu einem weiteren Projekt der Superlative hat sich die japanische Regierung mit 20 japanischen Unternehmen, darunter Sumitomo, Mitsubishi, Panasonic und Tokyo Metro, zusammengeschlossen, um ein 37 Mrd. US$ Smart-City Projekt in Hanoi zu bauen. Der Startschuss für das 310 Hektar große Areal soll im Oktober 2018 fallen, die 7000 Gebäude und gewerblichen Immobilien sollen bis zum Jahr 2023 fertiggestellt werden. Doch Mitsubishi engagiert sich nicht nur in Form von Kooperationen in Vietnam. Eine zweite Produktionsstätte des Automobilherstellers im Wert von 250 Mio. US$ soll ab nächstem Jahr mit einer Produktionskapazität von 30.000 bis 50.000 Fahrzeugen per Anno sowohl den inländischen als auch den Exportmarkt bedienen.

Im Jahr 2018 sollen die ausländischen Direktinvestitionen im Baugewerbe weiter steigen. Diese Prognose wird durch folgende Entwicklungen gestützt:

•   Vietnamesische Behörden verabschieden mehr progressive Gesetze zu Gunsten von ausländischen Investoren

•   Online-Dienst zur Registrierung von M&A Transaktionen ist in Kraft getreten

•   Überarbeitung aktueller Dienste zur Registrierung neuer Unternehmen, Betriebe, Geschäfte

•   Mehr Transparenz, Zugriff auf Informationen zu Marktentwicklungen, rechtliche Updates etc

Dadurch erhofft sich die Regierung Investoren für die knapp 500 ausstehenden Projekte gewinnen zu können.

Ein stabiles politisches System, die rapide Urbanisierung des Landes, eine junge, konsumfreudige Bevölkerung und wachsende Mittelschicht sowie das stetige und stabile Wirtschaftswachstum qualifizieren Vietnam als vielversprechenden und ertragreichen Investitionsstandort. Die geringen Lohnkosten und internationale Freihandelsabkommen ziehen das Interesse exportorientierter Investoren auf sich. Die Regierung zeigt ein starkes Interesse an Marktöffnung und erleichtert ausländischen Investoren den Einstieg ungemein; verabschiedet und impliziert Reformen zeitnah. Hierbei geht sie auf die Bedürfnisse und Anregungen ausländischer Unternehmen und Investoren ein. Trotzdem scheitern viele bereits geplante Projekte an der Finanzierung. Ein ausgeweitetes deutsches Engagement in Form von Investitionen oder sogar Joint Ventures würde die vietnamesische Regierung stark begrüßen. Begründet wird dies durch den Zugang zu mehr Technologie, das Errichten meist nachhaltigerer Produkte bzw. Produktionsstätten in Vietnam und die positive Erfahrung mit deutschen Handelspartnern.

Erik Ahrens, Rechtsanwalt bei GERMELA, berät Unternehmen bei der Erschließung neuer Märkte. Er ist Ihr Ansprechpartner für rechtliche Fragestellungen in Bezug auf Ihren Markteintritt in Vietnam. Er verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Errichtung von Unternehmen im Ausland und deren Positionierung im Markt. Herr Ahrens spricht Englisch und Deutsch.


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