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Der Finanzmarkt in Iran
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April 2, 2018
Written by:
Andreas Duden

Der Finanzmarkt in Iran - Interview mit Herrn Andreas Duden, Senior Consultant Finance & Risk GERMELA Consulting

Wie hat sich der Finanzmarkt und der Zugang zu Krediten innerhalb der vergangenen zwei Jahre entwickelt?

Aufgrund der Verunsicherungen im Embargorecht weltweit und den verbalen öffentlichen Äußerungen und Drohgebärden, aber auch den schmerzhaften Erfahrungen für einige Großbanken aus der Vergangenheit mit insbesondere den US Sanktionen, entwickelt sich der Finanzmarkt eher schleppend. Grundsätzlich sind es eher kleine und mittelgroße Geldhäuser in Europa, die unter verschärften Dokumentationspflichten iranische Geschäfte abwickeln, die sich allerdings auch bei kurzfristigen Handelsfinanzierungen schwertun. Daher nutzen einige Kreditinstitute den Umweg über in Europa ansässige Tochtergesellschaften iranischer Großbanken oder europäischen Banken mit ausschließlich iranischen Gesellschafterhintergrund, Transaktionen abzuwickeln oder zumindest Handelsfinanzierungen darzustellen.

Welche Risiken stehen dem internationalen Aufbau eines Bank-zu-Bank-Geschäftskontaktes entgegen?

Aufgrund der jahrelangen Isolation, besteht bei iranischen Banken erheblicher Investitionsbedarf sowohl technisch als auch auf der Know-how Ebene, um wieder den Anschluss zum Welthandel, sei es in der Handelsfinanzierung oder gar komplexen Finanzierungsstrukturen im Investitionsgüterbereich, zu finden. Allerdings geht dem jedoch ein im Moment bestehendes Handikap voraus, dass nämlich viele iranische Bankhäuser nach nationalen Abschlussvorschriften bilanzieren und somit internationale Kreditgeber die in den Bilanzen dargestellten Risiken nicht abschließend bewerten können. Die International Accounting Standard ist allerdings Voraussetzung dafür, dass iranische Banken ein Korrespondenznetzwerk aufbauen können und somit Kreditlinien erhalten. Vor diesem Hintergrund sind insbesondere Iranischen Banken mit Tochtergesellschaften in Europa oder Bankhäuser mit ausschließlich Iranischen Gesellschafterhintergrund, wie u.a. die Europäische Iranische Handelsbank in Hamburg, in der Lage zumindest kurzfristige Handelsfinanzierungen darzustellen.

Welche Rolle spielt die iranische Zentralbank (CBI)?

Nach der Umsetzung des Nuklearabkommens zwischen dem Iran und den ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats sowie Deutschland sind die iranische Regierung sowie die iranische Zentralbank (CBI) bemüht, geeignete Maßnahmen zum Wiedereintritt der iranischen Wirtschaft auf den Weltmärkten zu ergreifen. Dazu gehört unter anderem eine Überarbeitung und Anpassung von Gesetzen und Regularien zur Finanzmarktaufsicht sowie zum Bankenwesen. Hierbei soll eine Angleichung an die international gültigen Standards stattfinden.  Diese Anstrengungen sind notwendig, um das Vertrauen ausländischer Investoren in die iranische Wirtschaft zu stärken und an dringend benötige Finanzierungen über ausländische Banken heranzukommen. Der iranischen Regierung und der CBI ist bewusst, dass sie auf diese Weise effektiv das BIP-Wachstum von 4% aus dem Jahr 2017 steigern und den iranischen Markt für ausländische Investoren viel attraktiver gestalten können. Davon hängt nicht zu Letzt eine spürbare Senkung der derzeit über 12% liegende Arbeitslosenquote sowie die Bekämpfung der hohen Inflationsrate.

Um den erneuten Anschluss an die internationale Bankenwelt zu bekommen und zugleich die Kriminalität im Banken- und Finanzsektor zu bekämpfen hat die CBI 2017 einige Maßnahmen im Bereich Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung beschlossen und angeordnet, dass diese von iranischen Banken umgesetzt werden. Diese umfassen insbesondere Anweisungen und Vorgaben zur besseren Identifizierung von Kunden (KYC) sowie zum regelkonformen Verhalten von Banken (Compliance). Auch und gerade vor diesem Hintergrund hat der Präsident der CBI auf der letzten Euromoney Konferenz betont, dass sich die CBI einer nachhaltigen und soliden wirtschaftlichen Entwicklung im Iran verpflichtet sieht und daher alles unternehmen wird, um für mehr Transparenz im iranischen Bankenwesen zu sorgen sowie Geldwäsche und Terrorfinanzierung regulatorisch zu bekämpfen. Hierbei nimmt die CBI Unterstützung und Expertise aus europäischen Ländern in Anspruch. Die CBI ist aktuell dabei die regulatorischen Anforderungen des „Financial Action Task Force on Money Laundering (FATF)“ im Iran umzusetzen, damit der Iran von der schwarzen Liste des FATF gestrichen wird und den vollständigen Anschluss an die internationale Bankenwelt erlangen kann. Zu den aktuellen Maßnahmen der CBI gehört auch die Umsetzung der Basel III-Regularien mit besonderem Schwerpunkt auf Erhöhung der Qualität, Konsistenz und Transparenz der Eigenkapitalbasis sowie ein besseres Risikomanagement.

Der Iran gilt als Risikoland für Geldwäsche und Terrorfinanzierung – welche Compliance-Maßnahmen müssen Korrespondenzbanken erfüllen?

Die verschärften Dokumentationspflichten werden von Banken definiert. Grundsätzlich ist es erforderlich, die Vertragsdokumentation nebst Rechnungen für jede einzelne Transaktion vorzulegen und erst wenn die in den Vertrag genannten Parteien die Compliance Prüfung bestanden haben, erfolgt die Durchführung der Bankdienstleistung. Das betrifft Dokumentenabwicklungen, aus- und eingehende Zahlungen.

Inwiefern hat sich der Zugang zum Iran verbessert – haben internationale Banken Interesse am Iran-Geschäft?

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass das Interesse bei der Industrie und bei Banken gewaltig ist. Nennen wir das Kind beim Namen. Die größte Volkswirtschaft in der Region mit Heißhunger nach westlichen Standards und das möglichst in einem überschaubaren Zeitraum. Die zum Teil merkliche Zurückhaltung einiger Marktteilnehmer ist begründet durch vorhandene Unsicherheiten des Atomabkommens, der fehlenden Infrastrukturen internationaler Finanzsysteme. Die Bedenken europäischer Großbanken mit ihrem internationalen Netzwerk, insbesondere in New York, ist durchaus nachvollziehbar und genau das wissen die kleinen und mittelgroßen Banken richtig zu nutzen, um sich zu positionieren bevor die Großbanken es sich anders überlegen. Es wird in den nächsten 18 Monaten darauf ankommen, dass die Bedingungen des Abkommens durch die Parteien nachhaltig eingehalten werden und dass das dadurch wachsende Vertrauen dazu beiträgt, Unsicherheiten zu überwinden und die Märkte zu stimulieren. Vielleicht ist aber auch dieser Zeitraum nötig, um volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen für ein gedeihliches und nachhaltiges Wachstum in Sinnes des Landes zu schaffen.

Andreas Duden hat über 35 Jah­re Erfahrung in der Bankenbran­che. Er bekleide­te verschiedene CFO-Positionen in Handelsunter­nehmen und eine Reihe von Führungsposi­tionen bei euro­päischen Finanzin­stitutionen in Deutschland, Japan, Hongkong, Ungarn, Österreich und Großbritannien.


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